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Wo Solidarität noch zählt

Rote Zora, SchauSpielWerk
Foto: SchauSpielWerk Szenenfoto aus "Die Rote Zora" von Jugendlichen der Gruppe "SchauSpielWerk" im Wiener WuK

Die Rote Zora: Verdichtete, flotte Version des sozialen Kinderbanden-Klassikers - gespielt von Jugendlichen im Wiener WuK.

Eine – fast – klassische Kinderbandengeschichte, aber mit sozialen Hintergründen ist „Die rote Zora“. Die Geschichte, die auf einem Roman des Schweizer Autors Kurt Held aus Anfang der 40er Jahre aufbaut, wird derzeit von 13 Jugendlichen der Gruppe SchauSpielWerk im Wiener Werkstätten- und Kulturhaus gezeigt. Die Fassung basiert weitgehend auf der dramatisierten Version des Romans durch den Direktor des Theaters Der Jugend, Thomas Birkmeir. Spannend sind zwei „Umwandlungen“, durch SchauSpielWerk-Regisseurin Rita Dummer. Aus Branko, dem neu in die Band aufgenommenen Waisenkind wird Branka und der Fischer wird zur Fischerin – und Zora kommt aus Syrien.

Verdichtet

Rote Zora, SchauSpielWerk Foto: SchauSpielWerk Verdichtet auf eineinviertel Stunden spielen die 11- bis 14-Jährigen die Geschichte der Bande der armen Waisenkinder, die in ihrem Versteck auf der Burgruine nur überleben können, weil sie hie und da sich Hühner, Fische oder andere Lebensmittel „organisieren“. Bis sie sich mit der Fischerin anfreunden, ihr helfen, einen großen Thunfisch zu fangen und auch so zur Hand gehen. Und sie unterstützen im Kampf gegen den korrupten Bürgermeister, der im Bündnis mit dem reichsten Bürger der Stadt den Fischverkauf am Markt beschränken will. Die List der Kids hilft dieses Ansinnen zu hintertreiben – und eine weitere Aktion stellt den Bürgermeister bloß.

 
 

Überraschungen

Rote Zora, SchauSpielWerk Foto: SchauSpielWerk Die Details der Geschichte und des flotten Spiels, bei dem letztlich die Solidarität siegt, seien nicht verraten – viele kennen die Geschichte ja nicht, auch wenn sie vor knapp zehn Jahren neu verfilmt wurde – so bleiben die Überraschungen ;)

Kritik für Der Gewissenlose Mörder - WUK 2015 KiKu von Heinz Wagner

Mitmachen oder allein sein?

Der gewissenlose Mörder, WuK
Foto: Kaja Joo

Jugendliche spielen Henning Mankells "Der gewissenlose Mörder..." im Wiener WuK.

Neun Jugendliche spielen derzeit im Wiener WuK ein Stück des bekannten schwedischen Krimi-Autors Henning Mankell. Mit einem mörderischen Titel im wahrsten Sinn des Wortes: „Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson enthüllt die entsetzliche Wahrheit, wie die Frau über der Eisenbahnbrücke zu Tode gekommen ist“.

Kein Einzelschicksal

Drei der Mitglieder des jungen Ensembles schlüpfen in die Rolle von Hasse, zwei in jene von „Schwalbe“. Nicht nur, um alle spielen zu lassen, sondern auch, weil die angesprochenen Themen eher für viele, wenn nicht die meisten Menschen, gelten. Immer wieder wechseln sie vom direkten Spiel zu einer – auch im Stück so geschriebenen – Perspektive des Raustretens aus dem Geschehen und Reflektierens. Sie beobachten sozusagen von außen, was sie gerade tun, denken...

Alle neun spielen sehr überzeugend. Flora Burger nimmt man sogar, insbesondere beim ersten Auftritt, die alte gebeugte Frau ab. Und Leon Carvalho schafft es, in seiner zweiten Rolle als Aurelia fast gar nicht erkannt zu werden.

Spannend auch, dass die einzige "Kulisse" mehrere völlig flexible Schnürlvorhänge sind, die einmal wie eine Wand zwischen heute und gestern stehen, ein anderes Mal eine Brücke oder einen Berg darstellen...

Infos

Der gewissenlose Mörder, WuK Foto: Kaja Joo Der gewissenlose Mörder....*
von Henning Mankell

Das SchauSpielWerk
Regie: Rita Dummer
Spiel: SchauSpiel JUGEND: Camillo Bauer (Hasse), Flora Burger (Pferdehändlerin), Leon Carvalho (Aurelia und Jan), Zoe Estermann, (Hasse), Bianca Kobald (Hasse), Franziska Kruschinski (Hasse), Carmen Öller (Mutter), Hugo Weidinger (Schwalbe), Magdalena Weinbub (Schwalbe)
Bühne: Alice Felch/ Anna Sternberg
Kostüme: Marie-Christine Wilfer
Licht/Raum: Stephan Köberl
Assistenz: Stephanie Kohlross
Maske: Agnes Wichrovska/Olivia Donner


 

Kopie von Kopie von SchauSpielWerk
Foto: Gerhard Deutsch Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler des Vereins SchauSpielWerk spielen einen Henning Mankell

Jugendliche spielten Henning Mankells "Der gewissenlose Mörder..."* im Wiener WuK. Der KiKu interviewte die neun Schauspieler_innen zwischen 12 und 14 Jahren.

Der gewissenlose Mörder...." (*) des bekannten schwedischen Krimi-Autors Henning Mankell – gespielt von neun Jugendlichen im Wiener Werkstätten- und Kulturhaus. 12- bis 14-Jährige schlüpfen in über weite Strecken düstere, durch mitunter sarkastischen Humor aufgelockerte Rollen. Auch wenn es gegen Ende des knapp mehr als einstündigen Stücks mit einem mordsmäßig langen O-Titel (*) tatsächlich um die Schuld am Tod eines Menschen geht, dreht es sich die meiste Zeit vor allem um eine Grundfrage: Mach ich wo mit, nur damit ich nicht alleine, ausgeschlossen bin, eine Freundschaft aufs Spiel setze? Ist mir die Anerkennung, Zuneigung wichtiger und ich setz Handlungen, die ich selber gar nicht für richtig finde?

Gar nicht langweilig

SchauSpielWerk Foto: Gerhard Deutsch Der KURIER traf die jungen Bühnen-Akteurinnen und -akteure des Vereins SchauSpielWerk unmittelbar nach ihrer letzten Aufführung zum Gespräch – noch in Kostümen und der Kulisse des Stücks.

 
 

Der 14-jährige Camillo Bauer ist erst seit einigen Monaten dabei. Dazu gekommen ist er über seinen Bruder, der schon vorher in der Gruppe gespielt hat. „Ich hab zugeschaut, obwohl ich sonst nie ins Theater gegangen bin, weil ich dachte, es sei langweilig.“ Das war’s dann doch nicht und er wechselte von der Publikumstribüne auf die Bühne.

Zoe Estermann (13) hat schon mehr als ihr halbes Leben lang Bühnenerfahrung, „seit ich 6 bin. Da hab ich auch angefangen Klavier zu spielen, auswendig lernen ist mir auch leicht gefallen. Am Theater macht mir alles Spaß, vor allem die Proben, das Lernen in der Gemeinschaft.“

SchauSpielWerk Foto: Gerhard Deutsch Flora Burger, die sogar so überzeugend spielt, dass du ihr bei ihrem ersten Auftritt die gebeugte, alte Frau abnimmst, hatte schon drei Brüder als Vor„kämpfer“ auf der Bühne erlebt. Sie selber kommt eher vom Tanzen „das mach ich schon lange und sehr viel. Als Besucherin bin ich oft schon ins Theater gegangen. Es ist ganz anders wie bei einem Film und es macht mir total Spaß. Erstens, weil ich da neue Leute kennen lerne, es lustig ist, mit den anderen die Texte zu lernen. Und weil es mir taugt, wenn ich von der Bühne aus die Zuschauer zum Lachen bringen kann.“
Sie hat in diesem Stück nicht so besonders viel Text, „ich war aber trotzdem zufrieden, weil ich ohnehin sehr viel für die Schule zu tun hatte und am Wochenende mag ich‘s schon, wenn ich meine Ruhe habe.“

SchauSpielWerk Foto: Gerhard Deutsch Leon Carvalho, ebenfalls erst 12, überzeugt vor allem durch seine Doppelrolle als Jan und Aurelia – in der er nicht leicht zu erkennen ist. Auch er ist erst seit einigen Monaten in der jungen Theatergruppe. „Meine Schwester hat da angefangen und ich wollt’s auch einmal ausprobieren.“ Und es hat ihm sichtlich gefallen. Nur mit Mantel und Perücke in die Rolle der Aurelia zu schlüpfen „war eh o.k. Trotzdem hab ich den Jan lieber gespielt, weil ich da mehr zu tun hatte und auch mit der Posaune spielen durfte.“

In ganz gegenteilige Rollen schlüpfen

Magdalena Weinbub (14) spielt „seit zwei, drei Jahren regelmäßig. Vorher hab ich aber schon mit 6 Jahren als ich mit meinen Eltern auf Urlaub war, zum ersten Mal Theater gespielt.“ Auch in ihrer Schule besucht€ sie Theaterkurse. „Ich liebe es, mich in Rollen zu versetzen, die ganz anders sind wie ich selber bin, zum Beispiel in eine extreme Tussi oder so. In echt bin ich laut und asozial aber seltsamerweise nur zu Leuten, die ich liebe.“ Sogar in ihrer Freizeit steht sie mitunter drauf, sich ganz zu verstellen, gesteht sie dem Kinder-KURIER, „schon auch mal zickig zu sein“.

SchauSpielWerk Foto: Gerhard Deutsch Die 13-jährige Bianca Kobald ist seit zwei Jahren beim SchauSpielWerk, „aber ich hab vorher schon immer wieder in der Schule bei Aufführungen gespielt. Es hat mir immer gefallen und ich hab dann bewusst eine theatergruppe gesucht, auch wenn ich sonst viel tanze – Ballett, Jazzdance, Zumba, Hip-Hop. Ich hab aus Spaß beim SchauSpielWerk reingeschnuppert und es hat mir sehr zugesagt. Ich liebe es, aus meinem Leben raus zu treten und in andere Rollen reinzuschlüpfen. Das geht bei mir mit dem ersten Satz auf der Bühne. Da bin ich dann voll drinnen. Und mit dem Applaus ist’s sofort aus! Da bin ich wieder ich.“ Die Bühne „war schon eine Zeitlang mein Traumberuf. Aber jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher, weil es halt schon schwer ist, davon leben zu können.“

Franziska Kruschinski hat „mit 12 Jahren mit Impro-Theater begonnen. Das war lustig und hat allen Leuten gefallen. Ich erinner mich zum Beispiel, dass ich einmal eine sprechende Kerze spielen sollte, die eine Oper singt.“ Die 14-Jährige schaut sich auch gern Theaterstücke an. Das Spielen eines Stückes „find ich jetzt sogar besser als Improvisationstheater“.

Liebe Teamwork

SchauSpielWerk Foto: Gerhard Deutsch Carmen Öller (14) spielt „seit Herbst 2014 so richtig, vorher hab ich schon auch in der Schule in einer Theatergruppe mitgemacht, in kleinen Sketches gespielt, aber das hat mir nicht mehr gereicht, ich wollte mehr, hab gesucht und dann diese Gruppe gefunden, wo es mir von Anfang an gefallen hat. Ich hätte es lustiger gefunden, einen der harten Typen zu spielen, aber auch meine Rolle als Mutter find ich ganz cool, weil ich viel Text hab und auch schreien darf, weil sie ihrem Kind was beibringen will. Das kann ich mir auch gut vorstellen, wie es ihr so geht.“
Vor allem aber „liebe ich es, in der Gruppe zu arbeiten, dieses Teamwork macht mir richtig Spaß. Es sind daraus auch echte Freundschaften entstanden.“

SchauSpielWerk Foto: Gerhard Deutsch Hugo Weidinger (14) hat „mit 8 oder 9 Jahren angefangen in dieser Gruppe Theater zu spielen. Schon in der Volksschule war ich in einem Theaterkurs und das hat Spaß gemacht. Ich mochte einfach die Bühne. Während des Stücks steck ich ganz drinnen, davor aber geht‘s mir manchmal trotz aller Proben ein wenig schlecht. Danach aber ist’s eine Erleichterung, ein Gefühl, das richtiggehend süchtig macht.“ Jede Aufführung empfindet er „immer anders, es kann ja immer was sein, das Publikum reagiert ja auch nicht immer gleich. Aber wenn ich ein Stück dann schon sehr gut kenne, geh ich’s schon gelassener an.“

(*) Der Originaltitel lautet: Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson enthüllt die entsetzliche Wahrheit, wie die Frau über der Eisenbahnbrücke zu Tode gekommen ist

Kontakt

www.das-schauspielwerk.at; www.schau-spiel.at Semperstr. 19/3
1180 Wien - Probenraum
Myrthengasse 20/10
1070 Wien - Büro
office@schau-spiel.at